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Siegfried Mall verstorben

Am 16.12.2020 verstarb in Ehingen Siegfried Mall im Alter von 77 Jahren. Er war einer der "geistigen Gründerväter" der Museumsgesellschaft Schelklingen e.V. . 1976 hatte er zusammen mit Reiner Blumentritt und etwa 40 weiteren Enthusiasten die Museumsgesellschaft Ehingen gegründet. Mit im Vorstand des neuen Vereins saß aus Schelklingen auch Winfried Hanold. Der junge Verein legte sich mächtig ins Zeug, so dass bereits 1985 im ehemaligen Heilig-Geist-Spital das Museum Ehingen eröffnet werden konnte.

Parallel dazu machte sich auch in Schelklingen ein zunehmendes Interesse an der Gründung eines Museums bemerkbar. Siegfried Mall hatte Anfang der 1980er Jahre die Idee, die Schelklinger Museumsbegeisterten als eigene Gruppierung in die Museumsgesellschaft Ehingen aufzunehmen. Nach dem Stadtjubiläum "750 Jahre Schelklingen" nahm die Idee Gestalt an. Zu ersten Vorbesprechungen in Schelklingen kamen jedoch so viele Interessenten, dass in einer Sitzung des Ehinger Vorstandes der Satz von Siegried Mall fiel "Ha, dann gründet doch en eigena Verein!", was dann am 21. Juni 1985 auch geschah. Im Herbst des Jahres wurden Reiner Blumentritt und Winfried Hanold von Siegfried Mall aus dem Vorstand der Ehinger Museumsgesellschaft verabschiedet.

Mit Siegfried Mall verliert die Museumsbewegung einen engagierten Vordenker der Museumsarbeit in ländlichen Gebieten. Er hatte erkannt, welches Potential an historischen Besonderheiten in vielen Gemeinden schlummerte. Dieses historische Gedächtnis einer ganzen Region zu erhalten und öffentlich bekannt zu machen, war sein Bestreben. Auf seine Initiative hin schlossen sich zahlreiche kleine Museen zum "Arbeitskreis der Heimatmuseen im Alb-Donau-Kreis" zusammen. Ziel war, die oft finanziell schlecht ausgestatteten kleinen Heimatmuseen, nur durch Privatinitiative betrieben, bekannter zu machen, kommunalpolitisch zu verankern und finanziell zu unterstützen. Sein persönliches Interesse galt vor allem der Literatur und der religiösen Kunst. Letztere rettete er mehrfach durch Ankäufe für das Museum Ehingen davor, der Öffentlichkeit entzogen in privaten Sammlungen zu verschwinden. 

Ein Großer der regionalen Museumsarbeit ist von uns gegangen. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren!

Neuer Vorstand gewählt

Am Freitag, 23. Oktober 2020, fand die Jahreshauptversammlung 2020 statt. Trotz der widrigen Umstände auf Grund der Corona-Pandemie fanden 37 Besucherinnen und Besucher den Weg in die Stadthalle. Edgar Sobkowiak, bis zu diesem Tag der geschäftsführende Vorstand des Vereins, führte durch den Abend.

2019 hat der Verein vier Gründungsmitglieder verloren. Ihrer wurde gleich zu Beginn gedacht.

Nach dem Rechenschaftsbericht und der Entlastung von Vorstand und Kassier, wurden die neue Organisationsform des Vereins und die daran angepasste Satzung erörtert. Beides wurde von der Versammlung ohne Gegenstimmen und Enthaltungen gut geheißen. Nach dem Tod von Reiner Blumentritt und dem Rückzug von Edgar Sobkowiak aus dem Vorstand waren eine Reihe von Vorstandsposten neu zu besetzen. Alle Wahlvorschläge wurden in offener Abstimmung ohne Gegenstimmen und Enthaltungen betätigt.

Die neue Vorstandschaft der Museumsgesellschaft wird gebildet von (von links nach rechts):

Winfried Hanold (Vorstand "Vereinsziele")

Josef Widmann (Kassier)

Birgit Luppart (Vorstand "Hohle Fels Betrieb")

Joachim Lorenz (Vorstand "Hohle Fels Planung / Kontakt Stadtverwaltung")

Emi Rade (Vorstand "Mitglieder")

Philip Gassmann (Schriftführer)

Auf dem Bild fehlt Bürgermeister Ulrich Ruckh, der als Vertreter der Stadtverwaltung satzungsgemäß dem Vorstandsteam angehört.

Ebenfalls gewählt wurden die Beisitzer und Beisitzerinnen Dr. Siegfried Roth, Ursula Erdt, Rosemarie Schuh, Otto Schwabe und Rudolf Walter. Markus Boldt und Horst Link wurden als Kassenprüfer bestätigt.

In diesem Jahr konnten 10 Mitglieder für ihre 25jährige Mitgliedschaft im Verein geehrt werden. Vier von ihnen nahmen das Ehrenzeichen, den Wasservogel in Silber, persönlich entgegen. Anschließend wurden die ausscheidenden Vorstandsmitglieder verabschiedet. Dies sind Mario Bante, Iris Bohnacker, Amanda Busch, Erwin Haggenmüller, Thomas Kaut und Edgar Sobkowiak. 

Der geplante Vortrag mit Buchvorstellung durch Dr. Sibylle Wolf von der Universität Tübingen musste den Zeitumständen geschuldet entfallen. 

Ein Werkzeugkasten aus der Steinzeit

Am Montag, 20. Juli 2020, konnten Prof. Nicholas Conard und Dr. Sibylle Wolf im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren wieder einen weltweit einmaligen Fund aus dem Hohle Fels vorstellen. Dort hatten die Ausgräber 2019 drei Elfenbein-Meißel gefunden, so dicht beieinander, dass Prof. Conard bei der Vorstellung des "Fundes des Jahres" von einem "kleinen Werkzeugkasten" sprach.

Elfenbein-Meißel 1, 2 und 3

Bild: Maria Malina

Die drei Meißel sind zwischen 14 und 22 Zentimetern lang. Sie wurden aus besonders harten Teilen von Mammut-Stoßzähnen hergestellt. Elfenbein ist ein erstaunlich harter und vor allem zäher Werkstoff für die Bearbeitung anderer Materialien. Die bis zu vier Zentimeter breiten Meißel weisen ein flaches, Meißel artiges Ende auf, mit dem auch kleine Werkstücke gut zu bearbeiten waren. Das dickere Ende könnte als Hammer oder Stößel eingesetzt worden sein. Wozu die Werkzeuge genau benutzt wurden, sollen weitere Untersuchungen und Experimente zeigen.

​Meißel 2 und 3 in Fundlage

Bild: Maria Malina

Interessant ist, dass das mehr als 38 000 Jahre alte Werkzeug-Set in der untersten Grabungsschicht gefunden wurde, die dem modernen Menschen zugeordnet wird, unweit dem Fundort der "Venus". Es kann bis Januar im Urmu in Blaubeuren bestaunt werden.

Wieder einmal hat die Welterbe-Höhle Hohle Fels ihre Einzigartigkeit unter Beweis gestellt. An dieser Stelle muss an Reiner Blumentritt erinnert werden, ohne dessen unermüdlichen Einsatz für Höhle und Grabungen diese Funde noch lange, vielleicht für immer im Boden geblieben wären. Schelklingen kann zurecht stolz auf diese Fundstelle und ihre Aktiven sein. Die Museumsgesellschaft freut sich zusammen mit dem Urmu, dass unsere Region um eine weitere Attraktion reicher ist.

Prof. Conard und Grabungsleiterin Malina

Bild: Edgar Sobkowiak

Neuauflage des Hohle-Fels-Buches erschienen

Die neuen Funde der letzten Jahre und die überaus große Nachfrage nach der ersten Auflage des Hohle-Fels-Buches machten es möglich, eine erweiterte Neuauflage auf den Markt zu bringen. Prof. Nicholas CONARD und Dr. Sibylle WOLF haben das Buch überarbeitet, ergänzt und teilweise mit neuen Bildern ausgestattet. Und so können wir zur Osterzeit 2020 wie geplant die Neuauflage des Buches vorstellen:

CONARD / WOLF:

Der Hohle Fels bei Schelklingen -

Ursprungsort für Kunst und Musik.

104 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen und Zeichnungen.

ISBN  978-3-935751-36-0; Kerns Verlag Tübingen 2020

Preis: 6,95 € 

Versand (Vorkasse) im Inland frei. 

Bestellungen bitte an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 Während der Wintermonate kann das Buch an der Kasse des Stadtmuseums erworben werden.

 

 

 

 

Trauer um Reiner Blumentritt

Am Abend des 8.12. verstarb unser 1. Vereinsvorsitzender Reiner Blumentritt nach kurzem Krankenhausaufenthalt im Alter von 76 Jahren. Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt seiner Frau Marianne und allen Angehörigen.

Seit der Gründung am 21.06.1985 war Reiner Blumentritt 1. Vorsitzender der Museumsgesellschaft Schelklingen e.V. Ja, er verkörperte „seine Museumsgesellschaft“, die er über mehr als drei Jahrzehnte mit großem Engagement und vielen Ideen leitete. Unvergessen werden die zahlreichen Jahresfahrten bleiben, die er für Vereinsmitglieder und Interessierte alljährlich organisierte.

Darüber hinaus hinterlässt Reiner Blumentritt in Schelklingen unübersehbare Spuren. Schon vor der Vereinsgründung hatte er es sich mit damals noch wenigen Enthusiasten zum Ziel gesetzt, archäologisch und stadtgeschichtlich wichtige Substanz vor dem Verfall oder der Vernichtung zu retten. Nach zwei Umzügen der Sammlung konnte er dieses Ziel schließlich im Aufbau und Ausbau des Stadtmuseums verwirklichen. Damit war seine Mission aber noch lange nicht beendet. So rettete er Schelklinger Kunstgegenstände in letzter Minute vor einem Verkauf in die USA und sorgte für den Ankauf unersetzlicher Objekte, die anderenfalls in Privatsammlungen der Öffentlichkeit entzogen worden wären.

Besonders am Herzen lag Reiner Blumentritt der Hohle Fels. Ohne ihn gäbe es den Hohle Fels als archäologische Forschungsstätte von Weltgeltung nicht! Nicht einmal eine Erkrankung konnte ihn davon abhalten, dort präsent zu sein. Unermüdlich suchte er nach Sponsoren und bündelte die vorhandenen Kräfte für die Erforschung und Präsentation der Höhle. Belohnt wurden all diese Bemühungen durch sensationelle Funde und 2017 durch die Aufnahme des Hohle Fels in das UNESCO-Welterbe "Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb". Vor etwas mehr als einem Jahr, am 12.11.2018, durfte er für sein archäologisches Lebenswerk den Archäologiepreis des Landes Baden-Württemberg entgegen nehmen.

Nicht zuletzt darf daran erinnert werden, dass sich Reiner Blumentritt für den Erhalt und die Bekanntmachung des Fremdenverkehrs-Potentials von Schelklingen einsetzte und das in einer Zeit, als dieses Potential noch verbreitet ignoriert wurde.
Um der Bevölkerung unserer Stadt das geschichtliche Erbe sichtbar zu machen, hatte er die Idee, eine Statue der „Venus vom Hohle Fels“ auf dem Rathausplatz aufzustellen. Von Anfang an organisierte er zu diesem Zweck auch zahlreiche Sonderausstellungen im Museum. Auf seine Initiative kehrte Anfang dieser Woche die Statue des St. Nepomuk an ihren angestammten Platz an der Aachbrücke zurück. Eine Ironie des Schicksals wollte es, dass Reiner Blumentritt dies nicht mehr erleben durfte.

Mit Reiner Blumentritt verliert unser Verein, aber auch die ganze Stadt eine prägende Persönlichkeit. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.

Die Trauerfeier für Reiner Blumentritt fand am 30. Januar 2020 in der Evangelischen Pauluskirche in Schelklingen statt. Zahlreiche Vereinsmitglieder und viele Trauergäste aus der wissenschaftlichen Archäologie und der Kommunalpolitik gaben ihm die letzte Ehre. Die Urnenbeisetzung auf dem Friedhof Schelklingen erfolgte im kleinen Kreis.

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